Gesundheit - Alkohol

Wenn Eltern trinken - Kind eines Alkoholikers

  • Derzeit leben in Deutschland schätzungsweise sechs Millionen Erwachsene, die als Kinder in süchtigen Familien aufwuchsen.
  • Um die 2,65 Millionen Kinder unter 18 Jahren leben aktuell mit alkoholkranken Eltern zusammen.
  • Dazu kommen ca. 40.000 bis 60.000 Kinder drogenabhängiger Eltern.
  • Etwa jedes 6. Kind ist von der stofflichen Sucht in der Familie betroffen.
  • Ein Thema, von dem viele betroffen sind. Nicht wissen wie und an wen sie sich wenden können.
  • Ein Thema, bei dem lieber wegsehen wir, als zu handeln und zu helfen.

Wenn Eltern trinken - Kind eines Alkoholikers

Ein Artikel als dem Suchtpräventionsprogramm der AOK. 

 

Nach Hause kommen und nicht wissen, in welcher Laune Mama oder Papa heute ist, leere Bier- und Schnapsflaschen wegräumen: Für über 2,6 Millionen Kinder in Deutschland ist das die Realität, denn mindestens ein Elternteil ist alkoholabhängig. Kinder von Süchtigen haben keinen normalen Alltag mehr, in dem sich Mama oder Papa um den Haushalt kümmern und ihre Sorgen sich auf Schule oder Aktivitäten beschränken. Oft übernehmen sie die Aufgaben des süchtigen Elternteils und kümmern sich um die kleineren Geschwister. Dabei stellen sie sich viel zu früh den Sorgen und Aufgaben eines Erwachsenen.

Um den Schein einer intakten Familie nach außen hin zu wahren, isolieren sich die Betroffenen sozial. Sie erfinden Ausreden, um keine Freunde mit nach Hause bringen zu müssen. Der Zustand ihrer Eltern ist ihnen peinlich, und oft geben sie sich selbst die Schuld dafür. Kommt dir das bekannt vor? Wir haben ein paar Tipps für dich zusammengestellt.

Was kann ich tun?

Wichtig ist es zu erkennen, dass du nicht verantwortlich für die Sucht deiner Eltern bist. Du kannst nichts für ihr Verhalten, und es ist auch nicht deine Aufgabe, für sie den Alltag zu regeln, die Wohnung sauber zu halten oder Ähnliches.

Deine Eltern leiden an einer psychischen Erkrankung. Die Sucht steuert sie, und oftmals sagen oder tun sie Dinge, die sehr verletzend sind, ohne sich dessen bewusst zu sein. Das passiert im Rausch oder wenn ihnen das Suchtmittel fehlt. Sie handeln dann nach bestimmten Verhaltensmustern, die typisch für eine Abhängigkeit sind. Es kann zum Beispiel sein, dass sie dich für Kleinigkeiten anschreien oder sogar gewalttätig werden. Das heißt aber nicht, dass sie dich nicht liebhaben oder du ein schlechtes Kind bist, sondern es ist lediglich die Auswirkung der Sucht.

In einem anderen Moment sind sie vielleicht übermäßig liebevoll und versprechen dir tolle Ausflüge, die ihr zusammen unternehmen werdet. Diese emotionale Achterbahn ist sehr verwirrend und belastend, denn du kannst nie wissen, wie deine Mama oder dein Papa auf etwas reagieren wird, und es fällt dir schwer zu lernen, welches Verhalten richtig oder falsch ist.

Du musst dir aber bewusstmachen, dass diese übertriebenen Reaktionen nicht mit dir zusammenhängen, sondern mit dem Verlauf ihrer Sucht.

Gemeinsam eine Lösung finden

Du solltest dich an jemanden wenden, dem du vertraust. Das kann deine Oma, deine Tante, dein Lehrer oder vielleicht ein Elternteil deines Freundes sein. Du kannst auch eine Beratungsstelle kontaktieren, das geht sogar anonym. Dir muss es nicht peinlich sein, über die Situation zu Hause zu sprechen. Du verrätst deine Eltern damit auch nicht oder fällst ihnen in den Rücken.

Deine Eltern haben dich sehr lieb, aber können sich vielleicht gerade nicht um dich kümmern. Deshalb hilfst du ihnen am meisten, wenn du dich auf dich konzentrierst und darauf, dass es dir gut geht. Du darfst deine Kindheit genießen und solltest nicht die Verantwortung eines Erwachsenen übernehmen müssen.

Wenn du dich jemandem anvertraut hast, kann ein weiterer Schritt sein, dass ihr euch mit deinen Eltern zusammensetzt und über die Situation redet.

Vielleicht ist es eine Lösung, für einen gewissen Zeitraum zu Verwandten oder in eine Einrichtung zu ziehen, um Abstand zu bekommen, oder es kommt eine Mutter-/Vater-Kind-Kur infrage.

Wichtig ist aber, dass sich deine Eltern selbst dazu entschließen, ihre Sucht bekämpfen zu wollen, denn nur sie selbst können den Weg aus der Abhängigkeit finden. Alkoholsucht ist eine Krankheit, und es kann sein, dass deine Eltern rückfällig werden, auch wenn sie sie schon mal bekämpft haben.

Es kann dir helfen, dich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Du bist mit diesem Problem nicht allein. Beratungsangebote findest du zum Beispiel auf der Webseite der 

 

NACOA Deutschland – Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e.V.

 

oder hier:

Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe für den Hochtaunuskreis

Louisenstraße 9

61348 Bad Homburg

Tel.: 06172 6008-0

E-Mail: zjshtk@jj-ev.de

Internet: www.jj-ev.de

 

Caritasverband Offenbach/Main e.V. – Projekt „Schatzinsel sucht Entdecker“

Caritashaus St. Josef

Platz der Deutschen Einheit 7

63065 Offenbach am Main

Tel.: 069 80064-230

Fax.: 069 80064-258

E-Mail: eb-offenbach@cv-offenbach.de

 

Wie belastend Alkoholabhängigkeit für die ganze Familie ist, erläutert auch dieser Artikel.